EIN SLAWISCHES LEHNWORT IN DER ”POSTILLE“ DES MIKALOJUS DAUKÐA UND SEINE SYNONYMISCHEN UND PHRASEOLOGISCHEN BEZIEHUNGEN

Rainer Eckert, Berlin

Bereits E. Fraenkel (LEW, I, 844–845) hat einen interessanten VersuchHelga Schroth. „Ðiauliai Ex libris museum", 1999, 15x15 cm über die Bedeutungsunterschiede zwischen den Wörtern für Tod im Altlitauischen unternommen. Im vorliegenden Beitrag werden dazu einige Ergänzungen angestrebt. Gleichzeitig werden vor allem die synonymischen Beziehungen des aus dem Slawischen entlehnten smertis zu den anderen Wörtern für Tod, nämlich mirtis, giltinë und mirimas untersucht sowie die Einbeziehung von smertis in alte litauische Phraseme.

1. In einer Belegstelle (DP 15, 14) werden gleich drei Vertreter dieser synonymischen Reihe angeführt: giltinë arba mirtis und am Rande steht noch in den Verweisen smertis.

2. In vier Belegen (414, 22; 420, 40; 426, 41; 456, 19) werden smertis und mirimas durch arba verknüpft, was ihren synonymischen Gebrauch nahelegt, wobei von Interesse ist, daß dreimal das autochthone mirimas in der Verknüpfung dem entlehnten smertis vorausgeht und nur einmal eine umgekehrte Folge (ant smerties arba mirimo prisageme) beobachtet wird. Ein Beleg kennzeichnet sich dadurch aus, daß im Text gebrauchtes numirimas in den verweisenden Randglossen durch smertis kommentiert wird.

3. In einem Beleg (396, 25) liegt eine kopulative Wortgruppe des Typs giltinë arba smertis vor. Zweimal wird autochthones giltinë in den verweisenden Randglossen durch smertis kommentiert (94/8; 94/17). Auch bei S. Daukantas kommt laut LKÞ, XIII, 164 giltine, arba smerèiu bzw. tai yra dievis smerèio, arba kaip seniejai vadina giltinës vor.
4. Einmal (170, 46) wird iôdawimo ant smerties in der verweisenden Randglosse durch Iôdawimas ant mirties kommentiert. Auch aus Bretke (BB 1 Kar 17, 20) läßt sich laut LKÞ, VIII, 277 ein Jos sûnui smertá davei (mirtá davei) zitieren.
5. Am häufigsten kommt in DP ein synonymischer Gebrauch von giltinë und mirimas vor, gewöhnlich als giltinë arba mirimas (198, 49–50; 199, 4; 434, 15; 438, 38) gespiegelt oder mit umgekehrter Folge (mirimas arba giltinë 413, 33). Auch in größeren Kontexten kommen diese beiden Wörter für Tod nebeneinander vor bzw. werden sie einander in gewisser Weise gegenübergestellt: 146, 20; 150, 39–51; 151, 1. Vgl. zu der zweiten hier erwähnten Belegstelle R. Eckert. Litauisch Giltinë ”Tod; Todesgöttin“ und seine Herkunft, – ponto-baltica, 7, 1998, 44.
In einem zweiten Teil unserer Darstellung wird den phraseologischen Beziehungen, die das Lehnwort ƒmertis eingeht, nachgegangen:
I. ES wird das Komparativphrasem smertis…kaip wagis (556, 7), das eine Variante in der Form von giltinë…kaip wagis nakti (478, 41) aufweist, untersucht. Aus der Mundart von Adutiðkis läßt sich hierzu eine weitere Variante anführen: Mirtis kaip vagis (LKÞ, VIII, 277).
II. Schließlich werden die Phrasemvarianten savo mirtimi mirti ‘eines natürlichen Todes sterben’ (dazu kommt in DP die figura etymologica mirimu mirt sowie smertimi mirti, smertim mirti vor) und savo smerèiu mirti einer Analyse unterzogen.
Im Ergebnis der Untertsuchung kann festgestellt werden, daß altlit. (aus dem Slawischen entlehntes) smertis fem (z.T. auch mask) als frühe Übernahme aus alten slawischen religiösen Texten bereits im Altlitauischen neben den ererbten Wörtern für Tod eine bedeutende Rolle spielte und schon im 16. Jahrhundert tief ins lexikalisch-phraseologische System des Litauischen eingedrungen war. Erst mit der Herausbildung der modernen litauischen Schriftsprache wurde diese alte Entlehnung an die Peripherie gedrängt. Eine detaillierte Darstellung mit weiterführenden Schlußfolgerungen wird im Vortrag bzw. in der aus dem Vortrag hervorgehenden Publikation vorgenommen.

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Tinklalapis atnaujintas 2003.05.15